Haarsternhaltung im Aquarium
Teil 1: Versuche zur Haltung von Haarsternen
Erstveröffentlichung im Meerwasseraquarianer 2005
von Frank Diehl und Robert Baur-Kruppas


Teil 2: Haarsternhaltung
eine Zusammenfassung von Robert Baur-Kruppas, mit Ergänzungen von Ralph Bogusch
Teil 1:

Ein wenig wissenschaftlich Informatives muss sein.....

Haarsterne auch genannt Federsterne  sind mit die zierlichsten unter der Familie der Stachelhäuter. Sie gehören damit zum Stamm der Echinodermata  in die auch  Seesterne, Schlangensterne, Seeigel und Seewalzen zugeordnet werden. Haarsterne gehören zu Klasse der Crinoidea zu der auch die Seelilien zählen. Es gibt ca. 600 Arten, wovon die meisten in der Ordnung der Comatolida fallen. Diese besteht aus 6 Familien mit insgesamt 13 Gattungen. Es gibt aber weiterhin die Ordnungen Cytocrinida, Millericrininda, Isocrinida und Bourgueticrinida. Haarsterne sind sehr unterschiedlich in der Form und Farbe der Armglieder und der Armfortsätze (Pinnulae). So variiert die Anzahl der Arme zwischen 10 und 200, wovon die längsten bis 35 cm erreichen.
Die Armfortsätze auch Fiederchen genannt dienen sowohl der Fortpflanzung als auch dem Nahrungsfang. Haarsterne haben als einziger Vertreter der Stachelhäuter ihre Mundöffnung auf der Oberseite, wohingegen Seeigel, Seesterne, Schlangensterne und Seewalzen diese unten haben. Haarsterne ernähren sich von Plankton, Diatomeen, Kleinkrebsen, und Algen.  Haarsterne sondern fast dauerhaft Schleim ab an dem Kleinstlebewesen hängen bleiben. Diese werden durch zahllose Wimperchen in Richtung Mund befördert. Von den Armfortsätzen bis zum Mund verlaufen in der Mitte jedes der federähnlichen Arme kleinen Rinnen. Diese dienen zum Transport der festgehaltenen Nahrung. Auf diesen Rinnen wird die gefangene Nahrung in einem Schleimstrom langsam dem Mund zugeführt. Am Mund treffen sich 5 solcher Rinnen. Um den Mund stehen 5 Tentakel, die jegliche Nahrung prüfen und nicht verwertbares aussortieren.

Für die Steuerung der Bewegungen benutzten die Haarsterne keinen Denkapparat, genannt Hirn, sondern eine kapselförmige Nervenmasse. Es existiert kein besonders hoch entwickeltes Nervensystem und nur schwach ausgebildete Sinnesorgane.  Außerdem fehlen Organe zur Osmoseregulation. Dieses Fehlen könnte ein Grund dafür sein, das diese Tiere niemals Brack – oder Süßwasser besiedelt haben..
Zur Fortbewegung benutzen Haarsterne das sogenannte Wassergefäßsystem oder auch Ambulakralsystem. Dabei handelt es sich um eine hydraulische Vorrichtung, wo zwei verzweigte Strukturen gemeinsam den Bewegungsablauf  regulieren.
Von der Körperseite gehen viele Cirren ab, das sind sehr kleine bewegliche Greiforgane. Diese dienen sowohl zum festhalten als auch zur Fortbewegung..

In Haarsternen lebt einiges an anderem Getier, das sind zum Teil Mitesser (Kommensalen) aber auch regelrechte Schmarotzer wie Tiere aus der Gattung der Ringel - und Borstenwürmer.


Ralph Bogusch hat in einem seiner Haarsterne einen Schmarotzer oder Kommensalen entdeckt und....


ihn dann vorsichtshalber entfernt.

Haarsterne im Aquarium:
Nachdem die Autoren in 2002 mit den damalig neuen feinen Staubfuttersorten erste Erfolge mit der Gorgonienhaltung hatten, beschlossen sie einen  gemeinsamen Test zur Haltung von Haarsternen. So wurden im November 2002 einige Haarsterne im Handel erworben und in die beiden Aquarien der Autoren gesetzt. Beide Aquarien wurden damals über die sog.  Berliner Methode betrieben. Gekauft wurde ein zweifarbiger Haarstern, ein gelb schwarzer, ein blauer und jeweils ein grüner Haarstern.  Auffallend waren bei dem zweifarbig schwarz -weißen Haarstern die sehr dichten Armfortsätze (Fiederchen), welche die anderen Arten nicht hatten. Dort waren die Armfortsätze relativ weit auseinander.  Diese unterschiedliche Ausstattung der Fangvorrichtung deutete auf eine unterschiedliche Ernährungsweise hin.. Bei einem dichten Netz aus vielen feinen Fortsätzen und vielen Armen ist die Filterleistung weit höher als bei weniger dichten Armfortsätzen. Dieses deutet auf eine kleinere Nahrung hin. Dem entsprechend müsste der Haarstern mit dem dichteren Netz mehr fangen als einer mit einem weniger dichten Netz.  So dachten wir zumindest zum Start des Experiments. Somit erhofften wir uns mit den nun angebotenen feinen Futtermitteln wie Cyclop Eeze und Ultramin einen Erfolg bei dem „feingefiederten“ schwarz-weißen  Haarstern.

Wir waren uns der Problematik durchaus bewusst, da es keine publizierten Erfolge zur längerfristigen Haltung bei Haarsternen gab.  Was bei manchen azooxanthellaten Gorgonien (z.B. Menella sp)  geht, sollte doch wohl auch bei diesen Tieren funktionieren. Wir waren uns natürlich auch der Gefahr des Misserfolges bewusst, aber das bringt so eine Sache mit sich. Haarsterne werden immer wieder im Handel angeboten so daß wir zumindest damals schon vor hatten etwaige Erfolge oder Misserfolge zu publizieren. Einerseits um bei Misserfolg vor dem Kauf der Tiere zu warnen, andererseits um bei Erfolg den Weg zu schildern.

Die meisten der Tiere die uns im Handel angeboten wurden kamen aus Importen von den Philippinen sowie aus Indonesien.  Die von uns gekauften Tiere stammen allesamt auf einem Import der Fa. Fauna Marin GmbH die von der Insel Cebu, Philippinen zu uns liefert.

Keines der eingesetzten Tiere zeigte Probleme durch den Transport oder durch die Umgewöhnung so das man davon ausgehen kann das sie wenig empfindlich sind.  Allerdings achteten wir darauf das die Tiere unter Wasser und durch langsames angleichen an das Beckenwasser umgewöhnt wurden. Als besonders erfolgreich sehen wir das aufschneiden der Tüte unter Wasser an.  Damit vermeidet man eine Berührung mit dem Haarstern der dazu neigt Arme die fester berührt werden abzuwerfen. Halten Sie daher den Arm eines Haarsternes niemals fest, es könnte dazu führen das sie nur noch den Arm des Tieres in der Hand halten!  Zwar erholt er sich davon, muss aber sichtlich viel Energie aufwenden um das zu kompensieren.

Die eingesetzten Haarsterne zeigten nach dem einbringen ins Aquarium ein unterschiedliches Verhalten. Einige blieben an der Stelle wo sie eingebrachten wurden, andere zogen es vor sich sofort weg zu bewegen und versteckten sich.
Dabei bewegen sie sich auf ihren Cirren, aber auch Armen sehr geschickt durch die Dekoration. Keine der gepflegten Korallen hatte ein Problem mit dem Kontakt der Haarsterne.

Nach einigen Stunden  zeigten die Haarsterne das typische Bild der Nahrungsaufnahme. Sie streckten ihre Arme in die Höhe um Futter zu sammeln. Dabei musste zumindest Frank Diehl den ersten, vorher nicht berechenbaren Rückschlag hinnehmen.
Die im Becken gepflegten Centopyge loriculus vergriffen sich an den Armen der Haarsterne. Die Zwergkaiser schwammen an den Haarsternen vorbei und bissen in die Arme. Sie waren durchaus in der Lage komplette Teilstücke abzutrennen, was sich aber erst in den folgenden Tagen abzeichnete. Dies Verhalten schien nicht der Ernährung des Fisches zu dienen, da die abgetrennten Teile unbeachtet zu Boden sanken. Der Haarstern reagierte darauf mit dem zusammenziehen seiner gesamten restlichen Arme. Durch das anhaltendene Zupfen und Beißen der Zwergkaiser wechselten die Haarsterne oft den Standort. Sie liefen auf ihren Cirren, teilweise unter zu Hilfenahme der Arme, durch das Aquarium und stellten sich dabei äußerst geschickt an. Danach ließen sie sich an einem neuen Standort nieder, vermutlich mit der Hoffnung daß sie Ruhe finden. Dieses Verhalten ist auch zu beobachten, wenn anscheinend zu wenig Nahrung zur Verfügung steht.

Letztendlich ist die Flucht in einem eingeschränkten Lebensraum aber nicht von dauerhaftem Erfolg. Die Fische finden die Haarsterne natürlich wieder und setzten ihr Werk fort. Warum die beiden Centropyge loriculus das gemacht haben  entzieht sich bis heute unserer Kenntnis. Schön war das Verhalten nicht, zerstörte es schon im Vorfeld viele Hoffnungen. Aus heutiger Sicht würden wir von der gemeinsamen Pflege von Zwergkaisern und Haarsternen abraten. Ob dies eine Einzelbeobachtung ist, können wir nicht sagen, da Robert Baur  und Manuela Kruppas ihre Haarsterne in einem separaten Aquarium mit ca. 120 Liter Inhalt pflegten.

Zumindest später machten wir die Erfahrung das andere Zwergkaiser wie zum Beispiel C. bispinosa nicht an, zumindest den grünen  Haarstern gingen. Auch die vorher zupfenden C. loriculus beachteten den grünen Haarstern fast gar nicht und ließen sich nur sehr selten zu Zupfattacken verleiten. Ob auf Dauer einfach das Interesse nachließ oder dieser Haarstern einen gewissen Schutz besitzt, konnte nicht ermittelt werden.

Um eventuelle Erfolge zu dokumentieren, vereinbarten wir eine unterschiedliche Futterbehandlung der Haarsterne.  Während Frank mit Plankton und Staubfutter arbeitete, fütterte Robert nur mit Staubfutter. Es kamen nur die bekannten Staubfuttersorten wie Cyclop Eeeze, Ultramin und das schon lange Jahre erhältliche Dorswal zur Anwendung. Die Futterintervalle wurden auf ca. 5-6 Fütterungen am Tag festgelegt. Nicht zuletzt die Wasserbelastung  durch das Futter lies nicht mehr Futtergaben zu.  Die Futtergaben erfolgten sowohl nachts wie auch tagsüber um dem Pflegeanspruch der Haarsterne gerecht zu werden.

Anfänglich beobachteten wir auf die Futtergaben eine gute Reaktion der Haarsterne die ihre Arme öffneten. Schnell zeigte sich aber bei manchen Haarsternen das sie eher nachtaktiv waren, und am Tage nicht auf Futter reagierten. Zum Beispiel der blaue Haarstern interessierte sich nicht für Futtergaben während der Beleuchtungsphase. Er lies sich auch auf länger Zeit nicht umstellen was darauf hindeutet das er sich im hellen nicht sonderlich sicher und wohl fühlt. Beleuchtet wurden die Aquarien im übrigen unterschiedlich, einmal mit HQI und einmal rein mit einem T5 Röhrenlicht. Letztlich kann gesagt werden daß die Art der Beleuchtung keinen Einfluss hat. Die Haarsterne bevorzugen sehr diffuses Licht oder Dunkelheit. Teilweise konnte beobachtet werden daß sie sich während der Beleuchtungsphasen zurückgezogen hatten, zum Beispiel unter Steinvorsprüngen.

Gerade das anfangs als sinnvoll angesehene Plankton hat bei weitem nicht das erbracht was wir uns erwartet hatten. Die Haarsterne reagierten nicht darauf. Die Reaktion auf größeres Futter, in dem Fall der schon genannte Mix aus Staubfuttersorten, war besser, die Haarsterne waren sichtlich länger auf. Die Autoren stellen im Bezug auf Plankton immer wieder fest daß viele Aquarianer hier einem Irrglauben unterliegen. Die wenigsten unserer Tiere nehmen direkt Phytoplankon auf, bzw. reicht die gegebene Menge und Konzentration  nicht aus.  Es dient vielmehr dazu die im Aquarium befindlichen Kleinstlebewesen (Copeopoden etc.) zu vermehren so daß diese dann den Tieren als Nahrung dienen.

Soweit die Theorie nun aber zur Praxis:
Durch den Vergleich der zwei Aquarien konnte festgestellt werden, das Haarsterne eher partikuläre Nahrung aufnehmen und wenig bis gar kein Phytoplankton. Zumindest konnten die Autoren dieses so nicht beobachten.  Heute sind die Autoren der Meinung daß auch eine weit größere Menge an Phytoplankton nicht zum gewünschten Erfolg führen würde. Trotz der stärkeren Vermehrung der Mikrofauna erreicht man nicht das nun den Tieren im Aquarium mehr Futter zur Verfügung steht. Es fehlt schlichtweg die Dichte an partikulärer Nahrung wie es zum Beispiel im Meer der Fall ist.

Ein gutes Beispiel ist der dichtgefiederte schwarz-weiße Haarstern von dem wir uns soviel versprochen hatten. Obwohl er von unseren Exemplaren durchaus die größte Filterleistung besitzen durfte zeigte er absolut keine langfristige Reaktion auf  alle vorgenommene Futtergaben. Er wurde mit der Zeit immer kleiner, die Arme wurden kürzer. Ein ähnliches Bild gaben die anderen Haarsterne ab. Der gelbe, blaue und rote Haarstern verlor ebenso Stück um Stück Teile ihrer wunderschönen Arme.
Da die Autoren regelmäßig Kontakt hatten beschlossen sie die schon angeschlagenen Haarsterne auszutauschen. Hierbei wurde ein schwarz-weißer Haarstern von Frank an Robert gegeben (auch weil die Zwergkaiser immer wieder dran zupften) und umgekehrt gab Robert den blauen an Frank weiter.
Aber auch das brachte keine Besserung. Der schwarz-weiße Haarstern degenerierte immer mehr, ebenso der blaue. Letztendlich kann man sagen das alle Haarsterne mehr oder weniger schnell degenerierten. Besonders schnell aber baute der rote Haarstern ab, er schien sich nicht mal eine Weile halten zu lassen.

Viel Schatten und bittere Erfahrungen begleiteten den Versuch Haarsterne zu halten.

Es gab aber auch einem kleinen Lichtblick....
Ganz gescheitert ist der Versuch aber nicht.  Beide grüne Haarsterne haben den Versuch bis heute überlebt und zeigen ein natürliches Verhalten und Wachstum. Bei dieser Art konnte auch die Ernährungsweise genauer beobachtet werden. Es konnten Futterpartikel bis zur Größe von ausgewachsenen toten Artemien gefangen und zum Mund transportiert werden. Dabei verhält sich der grüne Haarstern etwas anders als die andersfarbigen Haarsterne.  Er rollt einen Arm um das gefangene Futter und führt diesen Arm dann zum Mund. Dieser Haarstern ist also in der Lage von der allgemeinen Fischfütterung einen Anteil zu ergattern, zumindest wenn die Strömung einen Teil in seine Arme treibt.  Es muss sich dabei allerdings, so stellten die Autoren fest, um Frostfutter handeln. Die Aufnahme von Trockenfutter konnte bis heute nicht beobachtet werden.


Dieser grüne Haarstern hielt durch und lebte nach drei Jahren immer noch.

Das verändern der Futterstelle führt zu einer Veränderung des Aufenthaltsortes des Haarsterns. Solang der Haarstern genug Futter bekommt bleibt er Standorttreu und das bei beiden Autoren schon mindestens  seit über einem Jahr.  Auch versteckt er sich nicht so sehr bei Licht wie die anderen Arten, dafür rollt er tagsüber die Arme meist ein. Er reagiert allerdings auf Futterzugaben mit  dem sichtbaren Fang an Futter. Aus heutiger Sicht lässt sich sagen daß er bei mehreren Futterintervallen mit Frostfutter durchaus haltbar ist. Wir empfehlen daher für die Pflege im Gemeinschaftsaquarium nur diesen grünen Haarstern, da er mit seiner Ernährungsweise und seine größeren Robustheit doch eindeutig besser zurecht kommt.

Die feingefiederten, teilweise extrem farbigen Haarsterne sind aus unserer Sicht nicht empfehlenswert. Diese überleben in einem Gemeinschaftsbecken nicht. In einem Artenbecken mit ruhigen Fischen  und extrem hohen Futterzugaben sind diese evtl. auch pflegbar. Aber die Fütterung mit hochwertigen Staubfutter und Plankton (Zooplankton) sollte mehrmals täglich erfolgen. Denke sie aber immer daran, sie füttern nicht nur den Haarstern sondern auch alle Tiere im Aquarium also auch evtl. Plagegeister wie Glasrosen oder Minianemonen. Diese Plagegeister können bei enormer Vermehrung zum Verlust des gesamten Korallenbestandes im Aquarium führen. Außerdem führen diese extremen Futtergaben zu hohen Belastungen der Wasserwerte so daß hier weiterführende Maßnahmen  bei der Filterung notwenig werden.
Bei den Staubfuttersorten hat sich gezeigt, daß Produkte mit einem erhöhtem Fettanteil zu besseren Ergebnissen führen. Diese gilt nicht nur für die Haarsterne sondern konnte auch an anderen Filtrierer beobachtet werden.

Ein Schlusswort zur Vermehrung.

Die Vermehrung von Haarsternen im Aquarium ist nach derzeitigem Wissenstand nicht möglich. Die Tiere sind getrenntgeschlechtlich. Das ist das erste Hindernis, denn eine Unterscheidung der Geschlechter ist uns nicht bekannt und wird auch in der populärwissenschaftlichen Literatur nicht beschrieben. Spermien und Eier werden ins Wasser abgegeben und bei einer erfolgreichen Befruchtung bilden sich Larven.

Die Larven durchleben zuerst eine planktonische Phase. Danach sinken sie zu Boden und setzen sich dort fest. Die Larven bilden einen Stiel aus (das sog.
Seelilien- bzw.Pentacrinusstadium. Die Red .) und leben so mehrere Monate sessil. Danach lösen sie sich ab und beginnen ihr freies, bewegliches Leben. Wie man schon von der Fischzucht weiß, sind das alles nicht gerade optimale Fortpflanzungsmethoden für ein Aquarium. Eine erfolgreiche Nachzucht
ist bis dato nicht bekannt. Trotzdem glauben wir, dass  es unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Ein erfahrener Fischzüchter könnte hier mit Sicherheit einiges erreichen.

Das war bis dahin die Veröffentlichung von Frank Diehl und mir aus dem Frühjahr 2005



 

Teil 2:
Haarsternhaltung im Aquarium
eine Zusammenfassung von Robert Baur-Kruppas, mit Ergänzungen von Ralph Bogusch

Im letzten Jahr hatte ich recht viel Kontakt zu einem Aquarianer aus Bremen. Er heißt Ralph Bogusch und hat erstaunlich gute Erfolge mit seinen Haarsternen erzielen können. So kommt es auch, dass ich den Artikel zur Haltung von Haarsternen etwas erweitern möchte. Die Meerwasseraquaristik bleibt ja zum Glück nicht auf einem Stand stehen, sondern geht weiter. Denken wir nur mal an die ersten Erfolge mit neuerem Futter bei Dendronephteas.

Ralphs Bemühungen um Haarsterne und deren Haltung sind, in meinen Augen zumindest, sehr erfolgversprechend und ein guter Ansatz. Natürlich hat auch Ralph unterschiedliche Erfahrungen mit Haarsternen und deren Haltung gemacht.  Auf diese möchte ich, mit Ergänzungen von Ralph Bogusch, nun näher eingehen.
 

Ralph pflegt vorwiegend LPS Korallen, Seenadeln, Schwämme, Gorgonien und Haarsterne.
Ein Roter Haarstern den Ralph kurze Zeit pflegte, hat es nicht geschafft, ein Rot-Grüner hat nach ca. 14 Monaten, trotz Wachstum das Zeitliche gesegnet. Der Gelbe Haarstern (unten auf den Fotos zu sehen) ist nach 12 Monaten hingegen immer noch prächtig am wachsen. Der Durchmesser der Arme hatte sich nach der Eingewöhnung etwas verkürzt, was der Haarstern aber mittlerweile von selbst wieder voll kompensiert hat. Und eine solch sichtbareRegeneration geht nur wenn man genug Nahrung bekommt.

Die "Wachstumspitzen" waren erst weiß, mittlerweile sind die Arme braun und die Spitzen gelb. Wie auf den Fotos kann man immer noch den Teil sehen der nachgewachsen ist, da sich das bei Haarsternen gut unterscheidet.

persönliche Mitteilung von Ralph:
Außer dem filigranen Aussehen scheint auch die Tendenz sich zu verstecken ODER möglichst frei zu stehen, ein Anhaltspunkt für die Futterbedürfnisse / Empfindlichkeit zu sein. Die agileren Arten (z.B. der Rote) brauchen mehr Futterdurchsatz (feineres/spezielleres????), die zurückgezogeneren wie der grüne Haarstern oder auch der gelbe Haarstern, nehmen auch "was so runterfällt".

Zudem bewegen sich die filigraneren Arten viel mehr, da sie in freier Natur zum Futterfang aus Höhlen krabbeln (mitunter schwimmen) und sich auf exponierten Stellen niederlassen. Irgendwann kehren sie dann in die Höhle zurück. Das führt im Aquarium zu dem Problem, daß sie bei den Wanderungen überall hängenbleiben und vor allem viel Energie durch die vermehrte Bewegung verbrauchen. Da man niemals soviel füttern kann wie in freier Natur (das würde kein Becken nur einen Tag aushalten denke ich), sind solche Stoffwechsel-Aspekte lebenswichtig.

Der gelbe krabbelt zwar auch rum, sitzt dann aber wochenlang an einem Fleck. Das Sitzenbleiben kann man etwas begünstigen, wenn der neue Standort hinreichend Strömung aufweist und man dann in kürzerem Abstand besonders großzügig füttert.

Es folgen nun Aufnahmen des gelben Haarsterns, der sich nach ersten Schwierigkeiten, dann doch wieder regeneriert hat. Achten Sie beim nachfolgenden Foto auf die Stellen die rot markiert sind. Entdecken sie den Unterschied? Man kann dort gut das sehen was nachgewachsen ist. Inzwischen ist er mehr als ein Jahr alt und hat deutlich an Durchmesser und Armanzahl zugelegt.

Andererseits hatte der rot-grüne auch innerhalb von 10 Monaten deutlich sichtbar Arme regeneriert, ist dann aber aus unerfindlichen Gründen (ein Garnelenpärchen, das in ihm wohnte war allerdings verschwunden...) immer weiter degeneriert und vor kurzem gestorben. Die Regenerations-Bereiche sieht man auf folgendem Foto.

Dieser filigranere rote Haarstern hat trotz starker Fütterung nicht lange überlebt. Zudem blieb er (wie oben erwähnt) oft irgendwo hängen, was zum Ausreißen der Arme, oder von Teilbereichen der Arme  führte. Dies gilt auch für den türkis-weißen, der nach 3 oder 4 Monaten einfach zu wenig restliche Arme zur Ernährung hatte. Die Haltungsversuche dieser feingliedrigen Arten habe ich aufgegeben."

Hier sehen Sie ein Video [500 kb] das die "Technik" des Futtertransports eines Haarsterns zeigt.
Man sieht wie Hefe auf dem Laufband (linke Seite im Video) zum Mund transportiert wird. (c) by Ralph Bogusch
 

Die Futterfrage:
Natürlich interessiert nun den Leser vor allen Dingen wie Ralph Bogusch das mit dem Futter geschafft hat.
So fragte ich Ihn natürlich nach dem was er genau füttert.

Ralph schrieb mir:

Bei den Futtersorten ist nach wie vor die Trocken-Hefe der Spitzenreiter, UltraminF und Cyclop Eeze sind auch sehr zu empfehlen. (Cyclop Eeze allerdings nur bei dem grünen Haarstern) Spirulina füttere ich auch hin und wieder, da sie leicht verdaulich ist und einen sehr guten Nährwert hat. Allerdings kann ich hier wegen der geringen Partikelgröße keinen Freßvorgang beobachten. Meine anfänglichen Erfolge liegen wohl an UltraminF und Cyclop Eeze.
Das Wachstum der Arme würde ich intuitiv mit einer SEHR STARKEN Fütterung von Trockenhefe, UltraminF oder Cyclop Eeze in Verbindung bringen! Problematisch ist aber dieser hohe Futtereintrag, der ein Aquarium, das auf diese Belastung nicht ausgerichtet ist, binnen Tagen umkippen lassen dürfte...

Derzeit teste ich diverse neue Futtermischungen, weshalb ich den Eintrag von bisher bewährten Futtermitteln (Cyclop Eeze, UltraminF) eingestellt habe. Sonst kann man kaum Aussagen über die Akzeptanz neuer Futtermittel machen. Als sichere Basis-Ernährung gibts aber 1-2 mal täglich Trockenhefe, damit ich sozusagen eine Unterernährung aufgrund doch nicht tauglichen Futters ausschließen kann (die Hefe wird am besten sichtbar aufgenommen). Abgesehen davon befindet sich Hefe nach meinem Eindruck auch in der Mehrzahl der Korallen-Staubfuttermarken (zu unterschiedlichen Anteilen natürlich).
 

Wasserbelastung:
Durch den hohen Futtereintrag in Verbindung mit einer planktonschonenden Aquarientechnik (schwache bzw. indirekte Abschäumung, keine mechanische Filterung, etc.) ist mein Aquarienwasser (leicht) grünlich trübe (besser gesagt, es ist alles voll kleinster "Partikel") durch Kleinstlebewesen. Diesen Faktor, ständig zur Verfügung stehender Lebendnahrung, darf man nicht unterschätzen. Was passieren kann, wenn man zuviel füttert, schildert der folgende Fall.

Anfang Januar hat Ralph es mit der Fütterung 2 Wochen etwas übertrieben. Dadurch kam es zu einer Anhäufung der Stoffwechselprodukte mit folgendem pH-Sturz. Parallel gab es den üblichen  NO2-Anstieg, mit den Auswirkungen, daß die Tiere sich äußerst unwohl fühlten.  Die Folge war ein dahinscheiden der 6 Grundeln und (wahrscheinlich) der beiden Federsterne. Phototrophe und heterotrophe Gorgonien waren aber konstant bester Dinge. Die meisten LPS Korallen haben es, bis auf zwei kleinere Arten, gut verkraftet. Die Bakterienkultur ist stabil, kam mit dem Abbau aber nicht mehr hinterher.
 

Fazit:
Wie man sieht gibt es die ersten kleinen Erfolge in der Haltung von Haarsternen.

Diese Erfolge sind natürlich, anders kann man es nicht sehen,  teuer erkauft worden. Aber ohne solche Versuche würden wir kein Stück weiterkommen. Wir wissen natürlich um das "Verheizen" von Haarsternen. Deshalb hoffen wir mit diesem Artikel einen kleinen Beitrag zu leisten, daß Ratsuchende wenigstens eine Chance haben es mit dem richtigen Futter zu versuchen. Auch erscheint uns die Erwähnung nach der Beckengrösse wichtig. Ralphs Aquarium hat zum Beispiel ca. 250 Liter.  In einem sehr großen Becken mit unterschiedlichen Tieren, wird die Haltung weiter viele Schwierigkeiten mit sich bringen. So bieten sich LPS Korallen als "Beibesatz" geradezu an. Sie profitieren vom starken Futtereintrag,  was bei anderen Tieren, wie zum Beispiel SPS Korallen, durch den hohen Nährstoffeintrag zu einem Problem führen könnte.

Wir raten dennoch dringend jedem Aquarianer vom Kauf ab! Zumindest dem, der diese Tiere nur wegen ihrem interessanten Aussehen erwerben möchte. Er wird sie, ohne die nötige Anstrengung an Futter und Wasserpflege, nicht lange halten können. Und das wäre zu schade finden Sie nicht auch?

Es freut uns sehr, dass wir Ihnen jetzt schon einen Artikel von Ralph Bogusch über die Haltung und Pflege von azooxanthellaten Gorgonien ankündigen dürfen. Dieser wird Ende des Jahres auf dieser Seite erscheinen. Freuen Sie sich jetzt schon auf wunderbares Bildmaterial :-)
 

Mit salzigen Grüßen

Robert Baur-Kruppas und Ralph Bogusch
 
 


(c) by archiv.korallenriff.de ( Februar 2006 )
1. Veröffentlichung von Teil 1 - Fachmagazin der MEERWASSERAQUARIANER 2005