Netzkatzenhai
( Scyliorhinus retifier )


Entwicklungsstufen des Netzkatzenhaies
Diese Haiart wurde jahrelang im Meeresmuseum Stralsund gezeigt


Vorkommen:
Im westlichen Atlantik, entlang der gesamten amerikanischen Küste von Boston bis Florida; im Golf von Mexiko entlang der mexikanischen Küste bis in die Gewässer vor Honduras.

Größe:
Eihülle – 5 bis 6cm x 2 cm; Jungtiere bei Geburt 10cm; ausgewachsene Alttiere bis maximal 47cm

Biologie und Lebensweise:
sehr kleiner Grundhai; zwei kleine Rückenflossen, die weit hinten liegen; Schwanzflossen langgezogen, die obere Hälfte zurückgebildet aber länger als breite untere Hälfte; 5 Kiemenspalten; sehr kleines Spritzloch direkt hinter dem Auge; breites Maul mit tiefen Nasengruben; viele kleine spitze Zähne; Körperfärbung bei Jungtieren fast weiß, mit zunehmendem Alter bildet sich auf dem Körper das namengebende dunkle Netzmuster, welches mit den Jahren immer dunkler wird; Vermehrung – ovipar (eierlegend ), Eier haben ein Querstreifenmuster, bestehend aus hellen und dunklen Streifen, sie werden mittels fädriger Anhängsel an Felsen oder Tang befestigt

Lebensraum:
Bodenhaie, um den Kontinentalschelf herum anzutreffen sind; Haie leben in felsigen Regionen, sowie auch über Sandböden; Tiefe zwischen 70 und 550m, außerhalb des Kontinentalschelfs stets ab 450m

Ernährung:
Kleintiere in Bodennähe, kleine Knochenfische wie etwa Fischbrut oder Jungfische, kleine Krustentiere, wie Garnelen und kleine Krabben, verschiedenen Würmer
 

Haltung im Aquarium
Beckengröße:
Jungtiere ab 500 Liter; ausgewachsene Alttiere 1500 Liter

Beckenmaße für zwei Alttiere:
3m Länge; 1m in der Tiefe; Wasserhöhe 0,5m  ( Mindestmaß – größere Becken jederzeit möglich )

Temperatur:
8°C bis 12°C; nicht über 16°C – Kaltwasserhaie, eine Vergesellschaftung mit tropischen Haien ist nicht möglich; Kaltwasserhaie können nur in den angegebenen Temperaturbereichen gehalten werden, steigt die Wasser- temperatur auf über 16°C verenden die Tiere, auch kurzzeitige Erwärmungen führen zu Langzeitschäden, die Haie nehmen keine Nahrung mehr auf und der Kreislauf bricht zusammen, in den meisten Fällen führt eine Erwärmung zum Tod der Haie

Wasserwerte:
Nitratwert – 50mg/l bis max. 150mg/l ( bei reiner Haihaltung )
Phosphatwert – 2mg/l bis 3mg/l
PH-Wert – optimal 8,2 bis 8,4; Schwankungen zwischen 8,0 und 8,5 möglich – kurzzeitig!

Beleuchtung:
300 bis 400 Watt ausreichend, Tiere sind dunkle Meeresregionen gewöhnt

Technik:
Eiweißabschäumer vorzugsweise mit Ozoneinspeisung, mechanische und biologische Filter notwendig, ca. alle 3 Wochen Zusatzfilterung über Aktivkohle, UV-Filter ratsam, Strömung sollte in Bodennähe sein, Wasserumwälzung mindestens einmal das Beckenvolumen pro Stunde

Wasserwechsel:
1500 l Becken - wöchentlich 150 bis 200 Liter, bei einem Wasserwechsel alle 2 Wochen nicht unter 500 Liter

Jodzugabe:
Jod muss über Meersalz bzw. Futter regelmäßig ausreichend zugeführt werden – Kropfvorbeugung!

Beckengestaltung:
Schaffung von Felsuntergrund mit Höhlen oder Nischen, Tang und andere Wasserpflanzen möglich; Wasserfläche über dem Felsgrund ist ausreichend als Schwimmfläche

Vergesellschaftung:
andere Kaltwasserhaie, wie Katzenhaie; kleine Kaltwasserrochen, wie kleine Zitterrochen oder Geigenrochen, Plattfische, Seebrassen, Dorsche usw.

Futter im Aquarium:
Muschelfleischstückchen, Fetzen von Fischfilet, Garnelen, kleine Krabben, Hummer oder Langustenfleisch, lebende Sand- oder Felsgarnelen; nicht gefressenes Todfutter sollte nach einer halben Stunde aus dem Becken entfernt werden – Schadstoffe; unverbrauchtes Lebendfutter kann im Becken verbleiben; Futtergaben abwechslungsreich gestalten, das Futter muss mit Jod und Vitaminen angereichert werden Fütterung bei Jungtieren zwei bis drei mal wöchentlich, bei ausgewachsenen Tieren genügt eine Fütterung
 

Krankheiten:
Kropfbildung – kann bei regelmäßiger Jodgabe/Vorsorge nicht entstehen, wenn Kropf entstanden ist, Erhöhung der Jodmengen, Kontrolle Krankheitsverlauf, nach Rückgang normale ausreichende Joddosierung fortsetzen
Mechanische Verletzungen – heilen bei guten Wasserwerten selbstständig wieder ab; leider verschlechtern sie sich bei schlechten Wasserwerten; Entzündungen an Mechanischen Verletzungen kann man in Quarantäne mit Antibiotika bzw. Sepso behandeln; kurze Behandlungen der Wunde außerhalb des Wassers möglich, dabei aber Aufwand und Nutzen beachten, außerdem Verletzungsgefahr für Hai und Pfleger beachten
Pilzbefall – auch hier hat sich eine Behandlungsserie in einem Extrabecken mit Antibiotika bewährt
Augentrübung – gleiche Behandlung wie Pilzbefall
Wurmbefall – hier kann man auf handelsübliche Entwurmungsmittel zurückgreifen, guten Ergebnisse zeigen auch die fertigen Eingewöhnungsmittel, diese sind von verschiedenen Herstellern erhältlich
Parasiten – kurze Süßwasserkuren haben hier den gewünschten Erfolg gezeigt
Schwimmstörungen – können durch zu kleine Becken oder Mitbewohner ausgelöst werden; zu viele Putzerfische oder so genannte Schiffshalter bedrängen Haie derart, das diese in Dauerstress geraten und Krankheitssymptome zeigen, Möglichkeiten der Behandlung sind Einzelhaltung der Haie bzw. Vergrößerung des Beckens

Besonderheiten:
Kleinbleibende Haiart, die in Europa selten gezeigt wird. Haltung dieser Haiart in vielen amerikanischen Aquarien. Dort gelangen auch Nachzuchten, so z.B. in Mystic. In den 70er Jahren wurden auch einige Tiere im Meeresmuseum Stralsund gezeigt. Die Haie konnten aus Eiern aufgezogen werden. Haie sind sehr attraktiv gezeichnet und mit ihrer Endgröße von nur knapp 50 cm eigentlich die idealen Aquarienhaie. Zu beachten ist dabei unbedingt die extrem kalte Wassertemperatur. Zur Haltung dieser Haiart benötigt man konstante Temperaturen um 10°C, diese lassen sich nur durch große Kühlaggregate erreichen. Dazu ist ein hoher Energieaufwand nötig. Hinzu kommt, dass bei den hier vorherrschenden Temperaturen die Aquarienscheiben ständig mit Kondenswasser beschlagen wäre. Wirtschaftlich wird diese Haiart nicht verwendet.
Gefahren durch Netzkatzenhaie bestehen nicht, Art ist sehr klein und ungefährlich. Beim Hantieren mit den Katzenhaien sollte ein Kescher sowie Lederhandschuhe benutzt werden.

Information und Foto(s) by Silvio Heidler
 
Bemerkung von
Ben Schnopp 
aus Berlin:
Hallo, ich bin seit einiger Zeit mit der Haiforschung und vor allem mit dem Thema Haischutz beschäftigt. Wie wohl die wenigsten wissen ist der Hai ein akut vom Aussterben bedrohtes Tier. Die Haltung in Aquarien mag dem zwar entgegenwirken, kann aber angesichts des Tierschutzes keine richtige Massnahme sein. Eine anderslautende Empfehlung kann ich leider nicht geben. Die einzige Empfehlung die ich geben kann, ist, dass man Haie in deren natürlichen Lebensraum lassen sollte.

Leider haben die Medien den Hai in den letzten Jahren überwiegend als Menschenfressendes Monster dastehen lassen, was leider auch dazu führt, dass die Sensibilität der Menschen für das Thema Haischutz nicht sonderlich weit oben angesiedelt ist. Haie sind definitv faszinierende Tiere, was es auch irgendwo verständlich macht, sich solche Tiere in Aquarien halten zu wollen. Dies kann aber auf keinen Fall im Sinne der Tiere sein.

Sehr interessante Informationen zum Thema Hai findet man übrigends hier: www.sharkproject.com

Gruß
Ben


 
 
 
 
 



Bitte beachte das jeweilige (c) Copyright!