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Eine bessere Art der Abschäumung?
über die Entfernung von Proteinen durch einen Dreistufenabschäumer im Riffaquarium
von Tim Schörger
 
Anleitung zur Bauausführung und Erklärung Funktionsprinzip.

In erster Linie geht es bei diesem Abschäumertyp um die extreme Steigerung des Wirkungsgrades.
Handelsübliche Abschäumertypen halten bei relativ hohem Wasserdurchsatz die Luftblasen so lange wie möglich im Reaktorrohr um ein anheften der Proteine in großer Menge zu gewährleisten. Für einen Großteil der gelösten Proteine mag diese Methode wohl sinnvoll erscheinen.
Nun gibt es in der Wasser - und Nährstoffchemie unendlich viele Verbindungen die alle unterschiedlich mit Luft zu binden.

Zwei Faktoren sind zudem entscheidend:

* Die elektrische Ladung der Teilchen und ihre Bindefreudigkeit hinsichtlich ihrer Konsistenz.
* Die Verweilzeit im Reaktionsrohr, die zugegebene Luftmenge, sowie der Wasserdurchsatz sind die physikalischen Grundvoraussetzungen um eine 100%ige Eiweissabschäumung zu gewährleisten.

Das Dreistufige System

Erste Stufe:
In der ersten Stufe soll der Wasserdurchsatz ungefähr bei 900 L/h liegen. Die Luftzufuhr bei ca. 300 L/h. In dieser Stufe werden alle schnellbindenden Verbindungen ausgeschleust, die die erste Stufe für die Nitrifikation bilden. Das Absorbat sollte eine hellgrüne Färbung besitzen.

Zweite Stufe:
In dieser Stufe soll der Wasserdurchsatz bei 300 L/h liegen und die Luftzufuhr bei ca. 900 L/h. Bei passieren des Wassers in dieser Stufe werden alle schweren  Verbindungen ausgeschleust. Das Absorbat sollte hellbraun bis etwa braun aufgefangen werden.

Dritte Stufe:
In dieser Stufe passiert das Entscheidende. Da nun alle leichten und schweren Verbindungen aus dem Wasser geschleust sind bleiben nun die elektrisch neutral geladenen Teilchen über. Diese befinden sich noch ungebunden im Wasser. Um eine Anheftung zu gewährleisten muss ein Ozonisator für die entsprechende Ladung sorgen. Da das Wasser schon zwei Abbaustufen hinter sich hat ist die Menge an geladenen Teilchen gleich null.

Test: ohne Ozon darf sich keine Schaumkrone bilden.

Ist das der Fall arbeiten beide Vorstufen gut. Wenn diese Stufe sauber arbeitet sollte die Färbung des Absorbates Pechschwarz sein. Die Luftzufuhr sollte bei ca. 1500 L/h liegen.
 

Erläuterung zur Funktionsweise:

Nimmt man einen handelsüblichen Standabschäumer und betreibt diesen sinnvoll, so kann man in der Regel schon ganz brauchbare Ergebnisse erzielen. Nur die Tatsache das solche Geräte nicht allen organischen Verbindungen gerecht werden ist sehr unbefriedigend. Oft benötigt man, wie im Berliner System üblich, noch eine gewisse Menge an lebenden Steinen oder Zeitbomben wie etwa Wodka - oder Rieselfilter.
Nebenbei gesagt, Schwefel ist auch ein Stoff der in einem naturgerechten Aquarium absolut nichts zu suchen hat.

Neuerungen zu suchen und zu verwenden ist im Prinzip nichts schlechtes, doch sollten wir Aquarianer auch manchmal versuchen altbewährte Methoden mit den neuesten Erkenntnissen zu neuem Leben zu erwecken.

Genau diese Erkenntnis hat zur Verbesserung der guten alten Eiweißabschäumung geführt auf die sowieso niemand so recht verzichten will. Und Alkoholabhängige Bakterien sind sowieso etwas für ein Spezialaquarium.  Spass bei Seite...................:-)

Je mehr ein System in voneinander unabhängigen Abläufen arbeitet desto zuverlässiger und sauberer arbeitet es. Das ist die Basis für die Dreistufenabschäumung.
Die Wirksamkeit dieser Anlage wurde über einen längeren Zeitraum getestet und auf Herz und Nieren geprüft.
So hat sich zum Beispiel gezeigt das bei einer 750 Liter Anlage nach einer Woche Betriebszeit keine Proteinverbindungen im Wasser mehr nachweisbar waren. An dieser Anlage wurde nichts verändert, ausgenommen der Abschäumung.
Auch nach sechs Wochen waren z.B. keine Mangelerscheinungen hinsichtlich fehlender Spurenelemente zu beobachten. Die SPS - Korallen haben schon nach zwei Tagen entscheidend an Farbe gewonnen. Auch das Wohlbefinden der Fische hat sich deutlich durch mehr Aktivität gezeigt.

Die gemessenen Wasserwerte sind wie folgt:

Aufgrund dieses Berichtes ist hoffentlich reges Interesse geweckt worden? Ein Anlass so eine Anlage zu "Basteln" und selbst zu probieren.
Eine Bauanleitung füge ich bewusst nicht bei da ja die Skizze zur Darstellung der technischen Einheiten beiliegt.

Nur eines vielleicht. Das Volumen der Reaktionsrohre sollte mit Hilfe dieser Formel gewählt werden.

Nettomenge Wasser  x  Summe der durchschnittlichen gelösten Nährstoffe
                                    5 0

Zur Erklärung: Nettomenge Wasser = 400L/gelöste Nährstoffe = 50.147 mg/l
400 Liter x 50.147 : 50 = 401.176 entspricht umgerechnet ungefähr 4 Liter Volumen der Gesamtanlage.

Jetzt ist nur noch viel Spaß beim basteln gefragt, und viel Erfolg !
 

Tim Schörger
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Text und Grafiken (c) von Tim Schörger, im Juli 2002 auf Korallenriff.de